Doris Noll setzt sich für queere Katholiken ein
Werl/Soest/Hamm – Queere Menschen hatten es in der katholischen Kirche lange schwer. Dass sich daran etwas verändert, erlebt Doris Noll im Dekanat Hellweg täglich. Die Referentin für Jugend und Familie setzt sich dafür ein, dass lesbische, schwule, trans- und nichtbinäre Menschen in der Kirche akzeptiert werden.
Gemeinsam mit Gemeindereferentin Sonja Rudolph und dem Hammer Pfarrer Bernd Mönkebüscher ist sie seit 2022 Ansprechpartnerin für queere Menschen im Raum Werl, Soest und Hamm. Dabei gehört Doris Noll selbst nicht zur queeren Community. Die 60-Jährige bezeichnet sich als „hetero-Cis Frau“, hat aber durch Freunde und frühere Kollegen viele Berührungspunkte mit dem Thema.
Besonders einprägsam bis heute ist die Geschichte einer ehemaligen Kollegin aus dem kirchlichen Umfeld. Nach deren Verpartnerung mit einer Frau wurde die Beziehung auch für den Arbeitgeber sichtbar. ,,Im engeren Kalle-lle, aber wir mussten sie schützen“, erinnert sich Noll. Trotzdem habe die Situation zu Problemen geführt. Die Kollegin verließ schließlich die Arbeitsstelle; nach Angaben Nolls geschah dies über einen Aufhebungsvertrag. Inzwischen ist die Kollegin aus der katholischen Kirche ausgetreten.
Offenheit statt Anfeindung
Queere Menschen sichtbar zu machen, gehört für Doris Noll zum Arbeitsalltag. Ihr Credo: ,,Gott liebt alle Menschen, davon gehe ich felsenfest aus.“ Anfeindungen gegen queere Menschen erlebt Noll in ihrem Arbeitsalltag selten. Stattdessen nimmt sie vor allem Offenheit wahr. Gerade in der kirchlichen Jugendarbeit sei das Interesse groß, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. ,,Ich erlebe in den Leiterrunden und Ausbildungsformaten die Suche nach Anregungen“, sagt sie.
Ein aktuelles Thema ist der Umgang mit transgeschlechtlichen Jugendlichen bei Ferienfreizeiten. Dabei sei das Thema nicht Angstbesetzt, viel mehr geht es um praktische Fragen: Wo schlafen die Jugendlichen? Welche Dusch- und Umkleidemöglichkeiten gibt es? Für Noll ist klar: ,,Die Jugendlichen und deren Bedürfnisse stehen dabei im Mittelpunkt. Wie hätte es die Person, um die es geht, gerne? Und wie ist das für anderen Jugendlichen?“, sagt Noll. Gemeinsam mit Jugendlichen und Eltern würden individuelle Lösungen gefunden.
Die Sensibilität für das Thema sei groß.
Dass Vorbehalte weiterhin existieren, erlebt sie durch die Erzählung von ihrem Kollegen Bernd Mönkebüscher. Der offen schwule Pfarrer besucht regelmäßig Schulklassen und spricht dort über sein Leben. Mitunter würden Schüler ablehnende Bibelstellen zur Homosexualität anführen. ,,Das haben Jugendlichen von den Eltern, in dem Alter zitierter keiner so aus der Bibel“, vermutet Doris Noll.
Prävention und Aufklärung
Geschlechtliche Vielfalt ist inzwischen auch Teil verpflichtender Fortbildungen für Erzieher. Im Mittelpunkt steht der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor körperlicher, sexueller und verbaler Gewalt. Auch Sprache spielt eine wichtige Rolle. ,,Homosexuell als Schimpfwort dulden wir nicht“, sagt Noll. In der kirchlichen Arbeit werde zudem auf gendersensible und möglichst inklusive Formulierungen geachtet.
Offen bearbeitet werde inzwischen auch der Familienbegriff. In Kitas werde vermittelt, dass Familie unterschiedliche Formen haben kann – etwa mit zwei Müttern oder zwei Vätern. Das sei auch gelebte Praxis: ,,In Werl haben wir ja die Kindergarten Wallfahrt, da sind auch die Familien eingeladen. Da können natürlich auch zwei Papas kommen“, sagt Doris Noll.
Trotz vieler Veränderungen sieht Noll weiterhin Unterschiede zwischen der kirchlichen Basis und der Institution Kirche. In Kitas, Jugendgruppen und Gemeinden erlebe sie oft mehr Akzeptanz als auf höheren Ebenen. Gleichzeitig habe sich auch im Erzbistum Paderborn spürbar etwas bewegt. Es gebe zum Beispiel inzwischen ein neues kirchliches Arbeitsrecht. Früher durften beispielsweise Geschiedene nicht mit ihren neuen Partnern zusammenleben oder evangelische Erzieherinnen in einer katholischen Kita arbeiten, das sei heute anders, berichtet Noll.
Initiativen wie „Out in Church“ und Bernd Mönkebüscher im Besonderen hätten dazu beigetragen, das Thema stärker ins Bewusstsein zu rücken. Der Weg zu mehr Akzeptanz ist für die katholische Kirche noch nicht zu Ende. Für Doris Noll ist aber entscheidend, dass er begonnen hat.
MICHAELA DZIWISCH
Quelle: Hellweger Anzeiger
Queersensibles Pastoral
Dem Thema queersensibles Pastoral widmet sich das Erzbistum Pader born seit 2022 mit Arbeitskreisen auf Diözesanebene und in jedem Deka nat. Menschen mit queerer Identität, ihre Angehörigen sowie kirchliche Gruppen können sich an die queersensible Pastoral im Dekanat Hellweg wenden. Das Team setzt sich für ein erweitertes Verständnis von Part nerschaft, Ehe und Familie ein, will für diskriminierende Strukturen sen sibilisieren und fördert gendersensible Sprache. Das Angebot richtet sich an Pastoralteams, Pfarrgemeinderäte, Schulen sowie queere Men schen und ihre Angehörigen. Informiert wird auch über Segensfeiern und Tauf- sowie Erstkommunionfeiern von Kindern queerer Eltern. Kontakt: https://www.dekanat-hellweg.de/angebote/queersensible-pastoral.